In eigener Sache

Eigentlich – so hatten wir angekündigt – wollten wir schon im frühen Sommer in der Leina bohren. Dort, wo unser Geophysiker im Januar eine für uns eindeutige und erfolgversprechende Messreihe durchgeführt hatte. Der Hohlraum war gefunden! So hatten wir damals jubiliert.

Dann kam die schockierende Nachricht! Knut Seidel, jener Geophysiker, war bei einem unglückseligen Unfall zu Tode gekommen. Warum? Warum gerade er, der gerade das geniale Messergebnis vorgelegt hatte?

Wir verneigen uns vor diesem außergewöhnlichen Fachmann und bescheidenen Menschen. Er war ein Freund, den man nie vergisst.

Unser Enthusiasmus und unsere Betriebsamkeit erlahmte – zumindest für eine geraume Zeit. Wir hielten es für erforderlich, aus Gründen der Pietät und auch aus Gründen des Selbstschutzes auf weitere Arbeiten zu verzichten.

Trotzdem gab es dann im späten Juni eine vorbereitende Erkundungsbohrung, um Erdschichten zu sondieren und zu prüfen, ob die alten Angaben mit 5 Metern Lehmboden, 3 Metern Kaolin und dem dann folgenden Quarzkies der Wirklichkeit entsprächen.

Es war anders.
Lehm – maximal 3 Meter und danach, ohne Übergang, sofort der seltene Quarzkies in unterschiedlicher Körnung mit einer ganz leichten Erdfeuchte, die Meter um Meter abnahm. Bei 14 Metern war der Kies staubtrocken. Bei 14 Metern ... Tiefer kamen wir nicht an diesem Tag. Und Knut Seidel hatte für uns die Tiefe zwischen 17 und 20 Metern errechnet.

An dieser Stelle muss unbedingt gesagt werden:
Wir sind kein Ingenieurbüro mit einem festen Budget. Wir haben keinen ständigen Gerätepark, auf den wir sofort zugreifen können. Wir haben keinen finanzierten Auftrag, der alle Kosten abdecken würde.
Wir sind das moderne „Fähnlein der Sieben Aufrechten", das aus freien Stücken, in eigener Verantwortung und mit eigenem Geld eine höchst interessante Forschung vorantreibt, von der letztendlich der Freistaat Thüringen profitieren wird. Wir nicht! Das steht in Thüringens Bodendenkmalsschutzgesetz fest und unerschütterlich verankert.
Und:
Wir haben alle eine Familie zu ernähren. Mit jeder Entscheidung müssen wir auch an sie denken. Wir haben die unterschiedlichsten Berufe, die unseren ganzen Einsatz fordern, vor allem aber unsere Zeit. Da muss dann das Bernsteinzimmer schon mal ein paar Tage zurückstehen. Es läuft ja nicht weg. Es ist geduldig und wartet auf seine Entdeckung.
Wir lassen uns keine wie auch immer gestaltete Zeitplanung aufdrücken. Wir tun unser Ding nach dem Spruch von Miss Sophies Diener: I do my very best!